Gedächtnisprotokoll zur Info-Veranstaltung des Amtes der OÖ Landesregierung zum Thema Wolf in Unterweißenbach am 3.9.2018

 Referenten: Dr. Helmut Mülleder > Rechtliche Rahmenbedingungen, DDI Gottfried Diwold > Grundlagen zum Wolf in Österreich u. Europa, Managementplan Wolf, Ing. Wolf-Dietrich Schlemper > Präventionsmaßnahmen und Schadensbeurteilung

 

Rechtliche Ausrichtung: Der Wolf steht auf Grund der FFH-Richtlinien II und IV unter einem strengen Schutzsystem, zusätzlich geschützt u.a. vom Berner Artenschutzabkommen, das geschlossen wurde zu einem Zeitpunkt, da bei uns der Wolf noch kein Thema war.

National fällt der Wolf in die Zuständigkeit des Jagdgesetzes und er ist ganzjährig geschont.

Für Übertretungen sieht das Strafgesetz Freiheitsentzug bis zu 2 Jahren und Geldstrafen bis 720 Tagsätzen vor.

Dieser Schutzstatus gilt für alle europ. Länder mit Ausnahme von Estland, Lettland und Litauen, Finnland, Griechenland und Spanien. Dort ist eine Bejagung möglich.

Ausnahmemöglichkeiten bezogen auf den strengen Schutz in OÖ: Ist die Population in einem günstigen Erhaltungszustand, kann das Land Ausnahmen erteilen, wenn

Ø  Der Wolf eine andere geschützte Tierart gefährdet

Ø  Auf Weidetiere wiederholte Angriffe stattfinden und es sich dabei um Tiere mit hohem Wert handelt

Ø  Im Interesse der öffentlichen Sicherheit für den Menschen

(Wehren persönlich darf man sich natürlich gegen einen unmittelbaren Wolfsangriff)

Ausnahmegenehmigungen sind gut zu begründen und das Land OÖ hat dafür gegenüber der EU geradezustehen.

Es ist daher äußerst wichtig, Datenmaterial zu sammeln, Sichtungen zu melden, mit Fotos zu dokumentieren. Lässt sich das auffällige Verhalten eines Wolfes nachweisen, dann sind zuerst Vergrämungsmaßnahmen in die Wege zu leiten, die genehmigt werden müssen.  Führen diese zu keinem Erfolg, braucht es weitere Maßnahmen wie die Entnahme (Abschuss) des Wolfes, was wieder einer Beantragung bedarf.

Meldungen nimmt u.a. der Bürgermeister vor Ort und die oben angeführten Referenten entgegen.

 

Grundlagen zum Wolf:

Der Wolf hat einen Nahrungsbedarf von 3 – 4 kg Fleisch pro Tag.

Das europaweite Netz der Wolfspopulationen verdichtet sich. 2009 gab es einen großen Zunahmesprung. Wolfssichtungen in den letzten Jahren werden im österr. alpinen Raum geringer, es kommt zu einer Verschiebung hin zu Mühl- und Waldviertel. 2018 bringt eine weitere Verdichtung der Population im Mühl- und Waldviertel und im Salzburger Raum. Zusätzlich zum Rudel in Allentsteig hat sich im Grenzgebiet OÖ/NÖ ein weiteres Rudel gebildet. Vom 20 .7. 18 bis 18.8.18 wurden in den Bezirken Zwettl und Gmünd 33 Schafe gerissen, die  Wölfe stammen nachweislich nicht vom Allentsteiger Rudel.

Folgende Stellen sieht der Managementplan für den Umgang mit dem Wolf vor: Koordinierungsstelle, Wolfsbeauftragte, Schadensbegutachter,  Beratungsstelle für den Herdenschutz, Präventionsberater, Eingreifteam.

Der Managementplan zeigt in Beispielen auf, wie das Verhalten des Wolfes aussieht, wie es einzuschätzen ist bezogen auf Auffälligkeit und wie der Mensch damit umzugehen hat. Der Managementplan versucht Vorgaben zu geben, wie die Situation einzuschätzen ist.

(Dazu Kritik aus dem Publikum: Die Maßnahmen des Managementplanes sind ein zahnloses Mittel, da sie in der Zeit immer weit hinten nach sind!)

Auf die Frage nach der Möglichkeit der Entnahme wird auch hier wieder darauf hingewiesen, dass die Grundlage für die Genehmigung die eingegangenen Infos sind – Sichtungen sofort melden, Fotodokumentation.. Entnahmen brauchen vorher andere Maßnahmen, erst wenn diese nicht greifen, kann der nächste Schritt stattfinden. Ein einzelner Nutztierriß ist noch keine Rechtfertigung, erst bei wiederholtem Eindringen kann eine Entnahme ins Auge gefasst werden.

Wichtig: Dokumentieren – Augen und Ohren offenhalten – Meldungen weiterleiten!

 

Präventionsmaßnahmen:

Als Prävention gelten E-Zäune, Herdenschutzhunde und der Nachtpferch. Der Zaun sollte auf 1.40 ausgerichtet werden mit Litzen, Drähten in 20, 40, 60 und 90 cm und einem Flatterband oben drauf. Auch für Untergrabschutz ist zu sorgen. Herdenschutzhunde, die angeblich den besten Erfolg zeigen, haben einen Anschaffungspreis von mind. € 6.000,00 und kosten monatlich ca. € 150,00 an Erhaltungskosten.

Die Weidezäune sind derzeit nicht förderbar. Es wird an einer österreichweiten Lösung gearbeitet.

Bei Rissen soll sofort der Kadaver abgedeckt werden, Kontakt mit Hunden vermeiden, die Lage des Kadavers nicht verändern, den Schadensbegutachter anrufen. Noch lebende Tiere dürfen erlöst werden, z.B. durch Fangschuss.

Position aus dem Publikum:

Es ging um die Sorge um die Kinder auf dem Schulweg.

„Wir wollen und wir brauchen den Wolf hier nicht!“

Es ging um Fragen der Wertminderung z.B. von Liegenschaften in Gebieten, in denen es häufig zu Sichtungen kommt.

Wer den Wolf haben will, soll zahlen.

Wo bleibt der Tierschutz!

Wie tötet ein Wolf? Warum haben getötete Schafe teilweise keinen Drosselbiss, ist das ein Hinweis auf Wölfe, die von Menschenhand aufgezogen wurden?

Sind Wölfe, die so vertraut mit dem Menschen sind, nicht  von Haus aus auffällig?

Wie verhalte ich mich richtig, wenn ich einem Wolf begegne? Sind diese Ratschläge, sich dominant zu zeigen, nicht wegzulaufen, auch für kleine Kinder brauchbar?

Was passiert, wenn der Bauer dem Wolf auf seiner Weide begegnet, darf er den Jäger rufen? Hier haben der Bauer und der Jäger einzuschätzen, wie hoch das Ausmaß der Gefährdung ist. Diese Abwägung dient der Feststellung, ob es sich dann um eine vorsätzliche Tötung des Wolfes handelt (strafbar) oder um eine Notsituation, also einen entschuldbaren Notstand. Zusätzlich muss das gefährdete Tier einen hohen Wert haben. Hier passiert gleichsam eine Güterabwägung mit dem Wert des Wolfes.

Ist die Sicherheit des Menschen gefährdet und hat das gefährdete Tier einen hohen Wert, dann ist eine Entnahme gerechtfertigt. Die Frage bleibt jedoch offen, ob das Gericht das auch so sieht, denn bis dato gibt es noch keinen ausjudizierten Fall.

Massive Forderung aus dem Publikum an die Politik, hier „in die Gänge zu kommen“, aktiv zu werden.

Zusammenfassung:

Wünschenwertes und angedachtes Ziel ist, dass der Wolf in Naturschutzgebieten seinen Lebensraum haben soll, im bewirtschafteten ländlichen Raum haben  Wölfe keinen Platz. Der Wolf fördert den Verlust des bewirtschafteten ländlichen Raumes. Es ist Aufgabe der Politik, hier Unvereinbarkeiten aufzuzeigen. Es sind Expertenmeinungen gefragt, die die Gefahr des Wolfes aufzeigen. Den „kleinen Mann macht man mundtot“. Auch die Menschen vor Ort müssen in Bewegung kommen, aufmerksam sein, dokumentieren und weitermelden. Und es ist wichtig, Position zu beziehen, denn die Politik braucht ebenfalls Druck, um in die vielleicht nicht einfache Auseinandersetzung auf europäischer Ebene zu gehen.

 

Verfasserin des Protokolls: Dr. Helga Krückl (helga.krueckl@aon.at)

Ich war Zuhörerin bei der von mir protokollierten Veranstaltung und habe den Inhalt so wiedergegeben, wie ich ihn gehört habe

Meine persönliche Meinung: Wenn wir wollen, dass unsere politischen Vertreter reagieren, sind wir Bürger ebenfalls gefordert, unseren Beitrag zu leisten, indem wir unsere Beobachtungen genau dokumentieren und an die Stellen weiterleiten, die befugt sind, im Rahmen des Wolfsmanagements Entscheidungen zu treffen.

Wichtige Info- und Ansprechadressen:

https://www.zwettl.gv.at/Wolfsichtungen_im_Bezirk_Zwettl

https://www.land-oberoesterreich.gv.at/Mediendateien/Formulare/doc_agrar/WolfsmanagementOoe.pdf.

 

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