Absetzen – warum, wann wie?

Der Terminus „Absetzen“ stammt aus der Milchviehhaltung. Um am Verkaufsprodukt Milch zu sparen, werden Kälber nach und nach, meist bis zum dritten Lebensmonat, von der Muttermilch auf Milchaustauscher und sonstige Futtermittel umgestellt.

Das „Absetzen“ der Kälber ist also ein vom Tierhalter oder Züchter aktiv durchgeführter Vorgang. In der modernen Milchviehhaltung werden die Kälber sofort nach der Geburt von den Müttern getrennt und in mehr oder weniger komplizierten und aufwendigen Haltungsformen aufgezogen. Beim Absetzen geht es also nur noch um eine Umstellung der Ernährung des Kalbes. Die Grausamkeit der Trennung von Mutter und Kind hat ja schon früher stattgefunden.  

In der Mutterkuhhaltung, insbesondere beim Hochlandrind, sollte das „Absetzen“ ein vollkommen natürlicher Vorgang sein. Die wieder trächtig gewordene Kuh setzt das Kalb von selbst ab, wenn ihre Milchproduktion zu Ende geht. Das tritt etwa sieben bis zehn Wochen vor der nächsten Abkalbung ein. Jedes menschliche Eingreifen in diesen natürlichen Vorgang ist unnotwendig. Das Kalb muß die Muttermilch ausnützen können, so lange diese fließt.  

Was sollte denn sonst mit der Milch geschehen? In der Mutterkuhhaltung ist das zwangsweise Absetzen daher als Unfug zu bezeichnen, der geeignet ist das Kalb zu schädigen, und zu Eutererkrankungen bei der Kuh führen kann. Mehr Natur kann hingegen nie schaden!  

Das Zwangsabsetzen von Hochlandkälbern, schon nach dem sechsten Lebensmonat, wurde in den Achtzigerjahren von berufsfremden „Züchtern“ in unserem nördlichen Nachbarland erfunden und von modebewußten Gefolgsleuten in Österreich sofort freudig aufgegriffen. Ein drastisches Beispiel dafür, welche Verirrungen – vor allem im Hobbybereich – möglich waren und vielleicht immer noch sind. Inzwischen sollte wenigstens der o. a. Unfug endgültig der Vergangenheit angehören.

Absetzen - wann und wie?   Absetzen - wann und wie?   Absetzen - wann und wie?

Obwohl, wie oben dargelegt, das Absetzen und das Absetzalter in der Mutterkuhhaltung (der einzigen adäquaten Haltungsform für Hochlandrinder) keinerlei Bedeutung haben, es aber auf diesem Gebiet die abenteuerlichsten Interpretationen gibt, soll doch ganz kurz auf den Einfluß von Früh- oder Spätreife auf den Zeitpunkt des Absetzens, eingegangen werden:
Spätreife bedeutet ganz allgemein langsamere Entwicklung in anatomischer und physiologischer Hinsicht. Kälber spätreifer Rassen werden also gemeinhin später abzusetzen sein, als solche frühreifer Rassen. Das frühere oder spätere Eintreten der Geschlechtsreife einzelner Individuen allein, ist kein ausreichendes Merkmal für Früh- oder Spätreife einer Population. Es geht viel mehr – auf breiter Basis – um die Gesamtheit der Entwicklung des Körpers und aller Organen, so wie deren Funktionen.  

In der Tierproduktion wird Spätreife vielfach mit Langlebigkeit, höherer Lebensleistung bei mehr Wirtschaftlichkeit und besserer ökologischer Verträglichkeit, gleich gesetzt.
Analog dazu, weisen auch in der Pflanzenproduktion spätreifende Sorten, im Vergleich zu frühreifen Züchtungen, eine längere Vegetationszeit auf, sie blühen später und bringen höhere Erträge.

´