Das Einmaleins der Betriebsführung

Das Unternehmen schlittert in die Roten Zahlen. Mit fetten Abfertigungen getröstet wird die bisherige Führung in die Wüste geschickt. Ein neuer Geschäftsführer oder Vorstand muß her. Der neue Besen an der Spitze verkündet nun ein rigoroses Sparprogramm, so wie eine radikale Umstrukturierung des Unternehmens. Es folgt die Reduktion des seit langem viel zu hohen Personalstandes. Ja und dann ist man wieder „gut aufgestellt“ und hofft – so Gott will – in drei, vier oder vielleicht fünf Jahren positiv zu bilanzieren.  

Nach diesem Muster verläuft – mit oder ohne globale Krise – der Zyklus vieler Unternehmen und Betriebe. Die Ursachen? Entweder hat der oder haben die Geschäftsführer geschlafen, waren zu oft auf Managementseminaren oder ständig beim geschäftsfördernden Golfen. Gute Betriebsführung besteht im ständigen Beobachten, Evaluieren und Optimieren. Der Betrieb muß behutsam und stetig entwickelt und konsolidiert werden. Unter diesen Aspekten kann es zu keiner Kostenexplosion, zu keinen Umsatzeinbrüchen, zu keinen überhöhten oder zu teueren Personalständen und zu keinem veralterten „Geschäftsmodell“ kommen. Ausgenommen sind natürlich wirkliche, unvorhersehbare Katastrophen. Im obigen Sinne gut geführte Unternehmen, die nicht einseitig und extrem auf Wachstum und Expansion ausge-richtet und wegen überproportionaler Investitionen hoch verschuldet sind, werden auch echte Krisen, ja sogar Katastrophen, ohne „Neuaufstellung“ überstehen können.  

Diese Aussage gilt nicht nur für Industrie, Handel und Dienstleister sondern gleichermaßen für den landwirtschaftlichen Betrieb. In der österreichischen Landwirtschaft wird es, bedingt durch geringe Betriebsgrößen, zwar selten um zu hohe Personalstände, sehr wohl aber um Umsatzrückgang, Kostenausweitung, nicht angepaßte Wirtschaftsweise („Geschäftsmodell“) und leider sehr häufig um zu hohe Investitionen auf Kredit gehen. Streng genommen sind nämlich Kreditzinsen – ob „normal“ oder gestützt – in der Landwirtschaft derzeit gar nicht zu verdienen. Aber selbst bei zinsgestützten Krediten ist schließlich auch einmal das Kapital zu tilgen. Der beste Kredit ist daher kein Kredit. Wer allerdings heute noch den altmodischen, aber gesunden, Standpunkt vertritt, erst dann zu investieren, wenn das Geld dafür vorhanden ist, wird nur Spott und Hohn ernten. Wenn die laufende Bewirtschaftung und Betriebsführung sparsam und rationell erfolgt, ist bei plötzlich auftretenden Schwierigkeiten keine neue, vorgefertigte Patent-Strategie notwendig.  

Man sollte doch davon ausgehen können, daß z. B. die Düngung von Haus aus bedarfs-bezogen, sparsam, harmonisch und umweltgerecht erfolgte. Wer mehr düngt als notwendig ist, unabhängig vom Preis der Düngemittel, ein Feind seines Geldes. Der richtige Zeitpunkt und die Ausbringungstechnik sollten auch bisher schon – preisunabhängig – optimal gestaltet worden sein. Um so verwunderlicher ist es, wenn jetzt in Fachzeitungen Düngersparmodelle veröffentlicht werden. Welchen Sinn kann es haben, wegen der höheren Preise weniger zu düngen als unbedingt notwendig oder Düngergaben auf die Folgejahre zu verschieben? Soll etwa in bester Kasinomanier auf sinkende Preise spekuliert werden? Bei gestiegenen Kraft-futterpreisen wird die leistungsgerechte Fütterung von Milchkühen oder Mastschweinen ja auch nicht auf das nächste Jahr verschoben. Wo wirtschaftseigene Dünger anfallen, müßten diese auch bisher, und nicht erst jetzt, bestmöglich eingesetzt worden sein.  

Eine planmäßige Bewirtschaftung mit regelmäßigen Bodenuntersuchungen sollte in den Böden überwiegend den P-K-Versorgungsgrad C herbeigeführt haben. Wozu also plötzlich Sparstrategien, die bei bisher ordentlicher Betriebsführung nichts bringen können, außer Zeilenhonorare für die Artikelschreiber?
Ein Abweichen vom Pfad der Tugend in der Wirtschaftsführung ist außerdem kaum denkbar. Haben doch Österreichs Bauern bei ihrer Arbeit 154 Rats- und Kommissionsverordnungen, Richtlinien und Sonderrichtlinien der EU, 330 Bundesgesetze und -verordnungen und eine Flut von Landesgesetzten und -verordnungen zu beachten. Die Zahlen stammen aus 2006. Inzwischen mag noch einiges dazugekommen sein.  

Die Möglichkeit, durch ökologische Bewirtschaftungsmaßnahmen Geld zu sparen, ist hingegen viel zu unspektakulär, um Beachtung zu finden. Ziel solcher Maßnahmen ist immer die Humusanreicherung im Boden und die Aktivierung des Bodenlebens. Nur mit vielgliedrigen, verträglichen Fruchtfolgen, schonender, reduzierter Bodenbearbeitung in Kombination mit Zwischenfruchtbau bzw. Gründüngung und Einarbeitung von Erntrückständen läßt sich der Humusgehalt des Bodens steigern und das Bodenleben intensivieren. Anhaltende Ganz-pflanzennutzung hingegen, wie sie für die Biomasseerzeugung zur energetischen Nutzung vorgeschlagen und praktiziert wird, ist als brutaler Humusraubbau bodenschädigend.
Ein höhere Humusgehalt bewirkt eine natürliche und stabile Krümelstruktur, verbessert das Wasser- und Nährstoffspeichervermögen, die Tragfähigkeit und Befahrbarkeit des Bodens. Daraus resultieren Einsparungen bei der Düngung da weniger Nährstoffe durch Auswaschung verloren gehen. Die Intensität der Bodenbearbeitung läßt sich reduzieren. Das vermindert den Arbeitsaufwand und den Treibstoffverbrauch durch weniger und leichtere Arbeitsgänge. Außerdem wird der Humusverzehr (Oxydation) vermindert. Man kommt ohne kostspielige Spezialgeräte für die Bodenbearbeitung aus. Der Teufelskreis von gewaltsamer „Krümelung“ des Bodens mit nachfolgender Rückverfestigung kann unterbrochen werden. „Moderne“ Landwirte werden kaum noch wissen, daß man die Bodenbearbeitung seinerzeit mit nur zwei Geräten bewältigen mußte und konnte: Dem Pflug und der Egge. Die Voraussetzung dafür war allerdings ein humusreicher, gesunder Boden im natürlichen Garezustand. Heute wird das alles mittels teuerer Technik in Form von zapfellengetriebenen, rotierenden Bodenbear-beitungswerkzeugen kaschiert.  

Auch im Grünland kann man etwas für den Boden tun. In dem man z. B. regelmäßig oder fallweise den letzten Aufwuchs oder zumindest Aufwuchsreste feingemulcht dem Boden zurück gibt. Im Grünland wird ja mit den heutigen, verlustarmen Erntemethoden, der gesamte Pflanzenbestand genutzt. Als noch die verlustreiche Bodentrocknung bei der Heugewinnung vorherrschte, erhielt der Boden organische Substanz in Form der Ernteverluste zurück.  

Jede Investition in die Bodengesundheit rechnet sich, denn der Boden ist die Grundlage jeder Landbewirtschaftung. Das ist bei Gott nichts Neues. Wenn man aber sieht, wie in der Praxis Böden mit überschweren Maschinen und Gräten in jedem Feuchtezustand befahren und bearbeitet – besser gesagt vergewaltigt – werden, gewinnt man den Eindruck, daß manchen Landwirten der Zustand und die Gesundheit ihres Boden vollkommen egal ist. Der Einsatz von Gummiraupen, Zwillings- oder Breitreifen könnte Abhilfe schaffen und viel Geld in der Bearbeitung bzw. in der Beseitigung von Bodenschäden einsparen.  

Alle diese Maßnahmen führen nicht zu Ertragsrückgängen, sondern ganz im Gegenteil, zu nachhaltigen Ertragssteigerungen. Der extremen Verteuerung von Betriebsmitteln kann man auch mit einer mäßigen Extensivierung begegnen. Reduzierte oder vermiedene Aufwendungen können nämlich direkt den Betriebserfolg erhöhen. Hohe Umsätze und hohe Deckungsbeiträge müssen nicht zwangs-läufig auch zu hohen Betriebserfolgen führen. Maßgeblich ist, welche Fixkosten mit dem Deckungsbeitrag abzudecken sind. Diese betriebswirtschaftliche Grundwahrheit scheint weitgehend unbekannt zu sein. In der Trockenlandwirtschaft ist, ohne Beregnungsmöglichkeit, die Extensivierung oft die einzige Möglichkeit um gewinnbringend zu wirtschaften.

Bei den angeführten Maßnahmen handelt es sich durchwegs um Strategien, die weder neu noch spektakulär sind, aber sowohl in normalen Zeiten, als auch in Krisensituationen jedenfalls wirtschaftliche Vorteile bringen.

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