Der große Irrtum des Herrn Vorsitzenden Falko Steinberg

Vor wenigen Tagen habe ich das neue Highland Cattle Journal, herausgegeben vom mitgliederstärksten deutschen Verein, dem Verband deutscher Highland Cattle Züchter und Halter (VDHC) erhalten. Es ist wichtig, das internationale Geschehen im Auge zu behalten, obwohl für den österreichischen Landwirt, Rinderzüchter oder Halter ausschließlich österreichische Gesetze und Verordnungen gelten. Wer sich also über die Rinderzucht und Rinderhaltung in Österreich informieren will, sollte sich an österreichische Quellen halten.  
Dazu kommt noch der Umstand, dass die Verhältnisse hinsichtlich Klima, Boden, Topografie usw. in Österreich ganz andere sind als in Deutschland. Eine Vergleichbarkeit ist nur sehr bedingt gegeben. Lesen kann man es trotzdem, wenn man mag, es ist ein gefälliges Werk, zusammengestellt von Herrn Günter Brand und seinem Redaktionsteam, das sich wieder sehr viel Mühe gegeben hat.  

Überrascht und erschüttert bin ich allerdings über den als „Grußwort“ überschriebenen Leitartikel meines deutschen Kollegen, Herrn Falko Steinberg, in diesem Journal. Nicht nur der ausgestrahlte, überzeugte Pessimismus, die Bestandesentwicklung der Hochlandrinder in Deutschland betreffend, und die anscheinend negative Entwicklung bei den Mitgliedern, die sich zurückziehen und „alleine werkeln“, ist verwunderlich. Aber es kommt noch besser: „Hätten wir vorrangig Fleisch produzieren wollen, so hätten andere, für diesen Zweck bessere geeignete Rinderrassen zur Auswahl gestanden“ schreibt der Vorsitzende des VDHC! „Blutlinien sind für viele Halter unserer Rinder von geringer Bedeutung“ bedauert er weiter. Mit diesen unglücklichen Aussagen stellt er die deutsche Hochlandrinderzucht endgültig auf das Abstellgleis und degradiert seine Mitglieder zu Hobby – Züchtern.

Highland Cattle

Zu bestellen bei:
Günter Brand
Bergstraße 35, 31737 Rinteln-Steinbergen
Tel.: 05751/919314
Fax: 05751/919315
hcj@highland.de

Die hochpreisige Zuchtviehvermarktung und die damit verbundene Präsentation von Zuchttieren bei Schauen zum Hauptthema eines Verbandes zu machen ist gefährlich. Leicht kann sich eine Zwei – Klassengesellschaft unter den Mitgliedern bilden. Die laute, aber kleine Gruppe der „erfolgreichen“ Züchter, die immer noch Zuchttiere zu hohen Preisen verkaufen können und die viel größere Gruppe der Halter, die natürlich dann und wann auf die teueren Zuchttiere der Elite-Züchter angewiesen sind um sinnvoll wirtschaften zu können. Von führigen Ausstellungssiegern können vielleicht einige wenige Züchter leben, niemals aber alle Züchter bzw. Halter eines Landes.  

Es ist ein Aberglaube, dass Fleischrinder-Produzenten (also keine Züchter im engeren Sinn des Wortes) nur erstklassige und daher teuere Mutter- und Vatertiere als Basis für ihre Fleischproduktion verwenden. Die Anhänger dieser Theorie sollten sich einmal in der landwirtschaftlichen Wirklichkeit umschauen. Verwendung finden preiswerte, gute Durchschnitts-Kühe und ab und zu ein Spitzenstier. Mit ausschließlich extrem teueren Produkten der „Elitezucht“ wäre die Fleischrinderproduktion nämlich unwirtschaftlich. Zu hochpreisigen Spitzentieren wird vor allem der Züchter greifen, nicht aber der Fleischproduzent.  

Leider ist es bei vielen Vereinen so, dass die wenigen die am lautesten schreien den Ton angeben und die Masse der Mitglieder sich still ihrem Schicksal ergibt. Warum sollte man in so einem Verein dann noch seinen Mitgliedsbeitrag zahlen wenn sich das Vergnügen von wenigen Elitebetrieben auf „Schauen“ konzentriert? Die meisten Halter haben keine Zeit neben der Direktvermarktung, alle ihre Tiere führig zu machen, Schauen etc zu besuchen. Oft wollen sie das gar nicht. Sind sie deswegen weniger wert?  

Wir haben so eine Entwicklung in einem unserer Bundesländer bereits miterlebt. Es ist dort durch den Egoismus oder durch Unwissenheit Einzelner, für den Verein und die Rasse, langfristig ein großer Schaden entstanden. Die Tierzahlen gehen dort nach wie vor zurück obwohl es unser einziges Bundesland mit einer jährlichen Schau ist.  

Der große Irrtum des Herrn Falko Steinberg besteht darin, dass er mit mehr Ausstellungen den negativen Trend im VDHC stoppen will. Anscheinend hat man es in Deutschland verabsäumt das Hochlandrind (Highland Cattle) tatsächlich als Fleischrind und wirkliche wirtschaftliche Alternative auf ertragsarmen extensiven Flächen zu positionieren. Es kann heute nur noch ein sehr kleiner Prozentsatz der Tiere in die Zucht gehen. Im Vordergrund muss die Fleischvermarktung stehen. Dies sollte man bei einer Fleischrasse wie dem Highland Cattle auch so darstellen.  

Die Gründung einer eigenen Fleischmarke ist in Deutschland längst überfällig. Diese haben wir in Österreich mit unserer Schutzmarke HIGHLANDBEEF® schon seit 1988 verwirklicht. Berühmte Blutlinien haben und werden auch in Zukunft für 95% unserer Mitglieder keine Bedeutung haben. Dieser Realität muss man ins Auge sehen. Als Vorsitzender bzw. Obmann sollte man mit Augenmaß versuchen alle Gruppierungen innerhalb eines Vereins zu fördern aber alles mit Maß und Ziel. In Geiselhaft der lautesten Gruppe darf man sich aber auf keinen Fall begeben.  

An und für sich könnte uns die Entwicklung der Hochlandrinderzucht in Deutschland egal sein. In Österreich funktionieren Zucht, Fleischvermarktung und sogar das friedliche Zusammenleben von „normalen“ und „Elitezüchtern“, abgesehen von einigen unrühmlichen Ausnahmen, bisher gut. Die einseitig auf das Schauwesen ausgerichtete Politik des VHDC hat aber Auswirkungen auf das züchterische Klima in unserem Land. Davon legt die derzeit laufende Diskussion im Zottl-Forum ein beredtes Zeugnis ab. Bisher hält sich in Österreich eine ähnlich negative Entwicklung, wie sie Falko Steinberg so anschaulich beschreibt, aber in Grenzen. Die Führung der ARGE wird sich bemühen, dass es dabei bleibt.

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