„Dr. Josef Krammer spricht Klartext“

Selten wird die agrarische Berufsvertretung Österreichs so schonungslos kritisiert, wie das im Buch „Im Kampf um ihre Rechte – Die Geschichte der Bauern und Bäuerinnen in Österreich“ geschieht. Die Autoren, Dr. Josef Krammer, langjähriger Leiter der Bundesanstalt für Bergbauernfragen und Arge-Mitglied, sowie Franz Rohrmoser, seinerzeitiger Geschäftsführer der Österreichischen Bergbauernvereinigung, nehmen sich kein Blatt vor den Mund.   

Nach einer ausführlichen Beschreibung des Leidensweges der Bauern durch viele Jahrhunderte, wird die gegenwärtige Situation folgendermaßen dargestellt: „Die kleinen und mittelbäuerlichen Betriebe sind kein Thema der herrschenden Agrarpolitik. Im Gegenteil, sie werden mit gezielten bürokratischen Schikanen in der Umweltförderung zum Teil mit praxisfremden Auflagen beim Tierschutz zu Aufgabe ihrer Betriebe motiviert bzw. gezwungen.“

Die existenziellen Feinde der bäuerlichen Landwirtschaft lokalisieren die Autoren in der eigenen Berufsvertretung. Auf oberster Ebene werd die Agrarpolitik von einer Lobby, bestehend aus Großagrarieren, Agrarindustrie, Genossenschaften, Handel und korrumpierten Interessenvertretern, manipuliert.   In Form des „Vorspannmechanismus“ lässt man die Wünsche der Landwirtschaft von kleinen und mittleren Bauern artikulieren, um danach für sich selbst den Großteil der Fördermittel in Anspruch zu nehmen. Viele der Betroffenen durchschauen dieses System nicht, da auf unterer Ebene gute Arbeit für die Bauern geleistet werde.

Im Kampf um Ihre Rechte

Prof. Dr. Josef Krammer, Jahrgang 1945, ist auf einem weststeirischen Bergbauernhof aufgewachsen. Nach dem Studium der Politikwissenschaft in Wien war er Assistent am Institut für Höhere Studien. Von 1979 bis 2007 leitete er die Bundesanstalt für Bergbauernfragen und lehrte zeitgleich an der Universität für Bodenkultur in Wien.

 

Im Kampf um ihre Rechte - Dr. Krammer

 So vermitteln z. B. Berichte in Bauernzeitungen, dass die Milchquote zwar wieder erhöht werde, der Landwirtschaftsminister aber neuerlich Exportmittel zur Überschussfinanzierung bereit stelle, den Eindruck, die Standesvertretung kämpfe erfolgreich für bäuerliche Interessen, obwohl genau das Gegenteil der Fall ist.   Man fragt sich, warum die offizielle Agrarpolitik Österreichs auf diese massiven Vorwürfe mit Schweigen reagiert. Ist das etwa als Eingeständnis der Missstände zu werten?

´