Embryotransfer in der österreichischen Hochlandrinderzucht

Die Erzeugung von Nachkommen mittels Embryotransfer ist eine Reproduktionstechnik die in den siebziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts erfunden wurde. Heute ist der Embryotransfer allgemein integriert und konventionelle Zuchtprogramme sind darauf entsprechend ausgerichtet. In Europa zählen im Fleischrinderbereich die Länder Frankreich, Niederlande, Deutschland, Tschechien und Italien zu den „Top Five“, in denen Embryotransfer durchgeführt wird. Österreich ist nicht unter den „Top Fourteen European Countries“ aufgelistet.  

Grundsätzlich ist es trotz des erheblichen finanziellen Aufwandes ein verlockender Gedanke, von einer wertvollen Superkuh auf diese Weise möglichst viele Nachkommen zu züchten. Am natürlichen Weg kann man aber immer nur ein Kalb oder bestenfalls Zwillinge von einer Kuh bekommen. Auch hier weiß man sich mit Hilfe der modernen Biotechnologie zu helfen. Die Zahl der gewonnen Embryonen kann nämlich beträchtlich erhöht werden wenn an der Spenderkuh eine follikelstimulierende Hormonbehandlung mit FSH und Prostaglandin durchgeführt wird, wodurch nicht nur eine, sondern viele, reife Eizellen gleichzeitig freigesetzt werden können. Diesen unnatürlichen Vorgang nennt man „Superovulation“ Sehr teuer und umso schmerzlicher scheint es zu sein, dass zumeist nur 60% der eingesetzten Eizellen zum Erfolg führen.  

In Österreich stellt sich die Situation etwas anders dar. Besonders im Bereich der Hochlandrinderzucht, da hier der Anteil an biologisch wirtschaftenden Betrieben besonders hoch ist und so sind auch keine Embryotransfers bekannt. Grundsätzlich verbietet nämlich der Bio-Landbau gentechnische Eingriffe bzw.den Embryotransfer ohne Ausnahmen. Auch der Zukauf von Zuchttieren, aus Embryotransfer ist verboten. Erlaubt ist nur die künstliche Besamung obwohl die EU-Verordnung für den ökologischen Landbau auch hier eine Reduzierung fordert. Glücklicherweise gibt es weltweit viel weniger Anbieter von Embryonen der Rasse Hochlandrind zu kaufen, als zum Beispiel bei der Rasse Angus. Die Arge Hochlandrind hat sich hier auch in einer dem Zuchtziel vorangestellten Präambel zuletzt 2010 dazu geäußert:  

Die ARGE Österreichischer Hochlandrinderzüchter tritt für die Grundsätze des Biolandbaus ein. Eine möglichst natürliche, artgerechte Haltungsform ist daher im Rahmen der einschlägigen Gesetze und Verordnungen anzustreben. Dazu gehört vor allem die der Natur der Hochlandrinder entsprechende ganzjährige Freilandhaltung im Familienverband. Das heißt, der Zuchtstier ist Bestandteil der Herde. Natursprung auf der Weide, Verzicht auf Embryotransfer und Genmanipulation sind wesentliche Bestandteile der Philosophie der ARGE Hochlandrind.  

Selbstverständlich sollten auch die Bioverbände mit Nachdruck dahinter sein, dass es zu keinen Aufweichungen oder Umgehungen dieser Vorschriften kommt. Bio-Betriebe die vorsätzlich Embryotransfers in Österreich durchführen könnten so Schwierigkeiten mit ihrem Biostatus bekommen was bei AMA-Kontrollen zu Problemen führen kann. Auf schnelle „Fortschritte“ in der Zucht durch Biotechnologie können wir in der ethisch-ökologische Rinderzucht verzichten. Extremzucht passt einfach nicht zu Bio!. Auch unsere Konsumenten lehnen dies ab oder wären solchen Produkten gegenüber zumindest sehr skeptisch eingestellt.

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