Ganzjährige Freilandhaltung seit 40 Jahren

Es begann im Herbst 1969 mit einer trächtigen Islandstute. Ich kannte diese Pferderasse und vor allem deren heimatliche Lebensbedingungen von einem Islandaufenthalt im Winter 1967 her.   Also gab es nicht den geringste Zweifel daran, dass die Stute im Freien überwintern würde. Das tat sie auch und brachte im Frühling ein gesundes Hengstfohlen zur Welt. Der Pferdebestand wurde rasch auf fünf Stuten und zwei Hengste aufgestockt. Dazu kam noch die jeweilige Nachzucht. Die Pferde „bewohnten“ 365 Tage im Jahr eine große Koppel mit Unterstand (Sonnenschutz) und Tränke. Im Winter stand ihnen ein Heuschober auf der Weide zur Verfügung, an dem sie sich selbst mit Futter versorgten. Das Zureiten der Jungpferde übernahm kostenlos ein pferde-begeisterter Unteroffizier des Bundesheeres. Das Geschäft bestand im Verkauf zugerittener Stuten, Walachen und Hengsten. In 15 Jahren Pferdezucht hatten wir 61 Abfohlungen ohne menschliche Hilfe und ohne jeden Verlust an Stuten oder Fohlen. Die Pferdezucht brachte einen Deckungsbei-trag von ca. ATS 80.000,– pro Jahr. Das war vor allem auf die minimalen Aufwendungen unserer Haltungsform zurückzuführen.  

Ab Sommer 1985 lösten Hochlandrinder die Islandpferde ab. Über diese Rinderrasse und die Lebensbedingungen in ihrer Heimat informierte ich mich anlässlich einer „Winterreise“ ins schottische Hochland. Ergebnis: Extensive, ganzjährige Freilandhaltung auch in Österreich.  

Den Rindern stand neben reichlich Koppelweide eine Tränke und ein Liegraum im ehemaligen Kuhstall zur Verfügung. Obwohl genügend Schattenspender in Form von Wald auf der Weide zur Verfügung stand, suchten die Tiere eher im Sommer den Liegeraum auf. Im Winter blieben sie lieber im Freien. Man darf nicht vergessen, dass unser Hausrind von einer Wildform abstammt, die im kontinentalen Klima Osteuropas und Vorderasiens heimisch war und vorzugsweise im Wald lebte. Dieses Erbe ist vor allem bei Robustrindern und Landrassen nicht verloren gegangen. Seit acht Jahren halten wir eine andere Fleischrasse, so wie vorher das Hochlandrind, ganzjährig im Freien. Es gab und gibt keinerlei negative Erfahrungen. Inzwischen zwingt eine Gesetzgebung, die sich an Hochzucht-Milchviehrassen orientiert, auch den Züchter und Halter von robusten Fleischrindern zur Beachtung von zum Teil unnotwendigen Haltungsvorschriften. Die Bedürfnisse der landwirtschaftlichen Nutztiere wurden ganz allgemein von praxisfernen Agrarbürokraten und rabiaten Tierschützern „vermenschlicht“. Mit dieser Realität und den damit verbundenen Kosten hat man sich als Landwirt abzufinden. Wer sich an die wichtigsten Regulative wie das Tierschutzgesetz, die 2. Tierschutzverordnung bzw. die Mindeststandards für die Haltung von Rindern, die Nitratverordnung und die Richtlinien für die Tierkennzeichnung hält, erfüllt die Bedingungen der „Cross Compliance“ und kann seine Rinder auch heute noch, unbehelligt von der Bürokratie, vollkommen legal ganzjährig im Freien halten.  

Da die Agrarmarkt Austria zentral organisiert ist und praktisch nie der selbe Prüfer kommt, darf davon ausgegangen werden, dass die Kontrollen objektiv und für jeden gleichartig ausfallen. Ebenso verhält es sich auch mit den Kontrollorganen der autorisierten Bio-Kontrollstellen und der Bezirksverwaltungsbehörden. Diesen Institutionen Parteilichkeit, unterschiedliche Vorgangsweise oder das Zudrücken eines oder beider Augen zu unterstellen ist schlichtweg dumm. Welches Interesse sollten sie daran haben? Allerdings fällt mir in diesem Zusammenhang das alte Sprichwort ein: „Wie der Schelm denkt, so ist er“.

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