Glückliches Hellas oder „EU light“

Die 27 Mitgliedsstaaten der EU haben zwar eine gemeinsame Agrarpolitik, hinsichtlich des Tierschutzes bzw. der Haltungsvorschriften für Nutztiere scheinen hingegen himmelhohe Unterschiede zu bestehen, die man auch als Wettbewerbsvor- oder nachteile werten kann.

Da Griechenland seit 1981 EU-Mitglied ist, wäre sicher genug Zeit zu Verfügung gestanden, um die dortige Tierhaltung an den EU-Standard anzupassen. Dem ist aber nicht so.  

Auf einer griechischen Insel, es handelte sich nicht um ein entlegenes Fleckchen Erde, sondern um ein sogenanntes Ferienparadies mit internationalen Flugverbindungen und allem sonstigen Schnickschnack, konnte ich im September 2011 folgendes beobachten: In Mitten von Ferienhäusern und Hotels waren auf einem ca. 600 m² großen Feldstück drei Rinder in der prallen Sonne an zwei bis drei Meter langen Stricken angebunden. Und das bei 33° im Schatten! Das Anhängen von Tieren scheint in Griechenland üblich zu sein. Ich sah sogar im Freien angeleinte Schweine. Da mich jede Form der Freilandhaltung interessiert, begann ich in Begleitung eines deutschsprechenden Griechen zu Recherchieren.  

Der Rinderhalter, Kostas S., gab uns bereitwillig Auskunft. Er halte insgesamt fünf Rinder. Zwei Milchkühe stünden am Hof. Ich durfte den als Stall bezeichneten Betonbunker, ein fensterloses Dreckloch, besichtigen. Die drei zur Schlachtung bestimmten Rinder hingegen dürfen ihr Leben. In der freien Natur verbringen. Gefüttert werden sie mit Stroh und etwas Kleie. Auf der ganzen Insel gibt es im Sommer nämlich keinen grünen Halm. Heu ist unbe-kannt.

Glückliches Hellas oder „EU light“   Glückliches Hellas oder „EU light“

Für die Wasserversorgung stehen drei Gefäße mit je 10 bis 12 Liter Fassungsvermögen zur Verfügung, die Kostas zweimal am Tag mit Wasser füllt. Mehr sei nicht notwendig, meinte er. Und anhängen sei allemal billiger als ein Zaun. Auffallend war, dass keines der Rinder Ohrmarken trug. Auf meine Frage, ob in Griechenland keine Ohrmarken vorgeschrieben seien, stellte Kostas die Gegenfrage, wofür dieser Blödsinn denn gut sein sollte. Meine Frage nach Beihilfen oder Prämien wurde nicht sehr präzise beantwortet. Jedenfalls, sagte Kostas, erhalte er verschiedene Zahlungen, vor allem für seine Olivenbäume, aber auch für die Rinder. Haltungsvorschriften kenne er nicht. Corss Compliance? Nie gehört. Auch an eine Kontrolle oder Überprüfung seiner Angaben könne er sich nicht erinnern. Er müsse nur einmal jährlich bei einer staatlichen Stelle ein Formular unterschreiben.  

Auf den Punkt gebracht: In Griechenland quält man leider Nutztiere, in anderen EU-Staaten und vor allem in Österreich aber die Bauern.

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