Gütesiegel zum Quadrat

Einem dringenden Bedürfnis der Landwirtschaft nach höheren Produktionskosten bzw. jenem der Konsumenten nach höheren Lebensmittelpreisen kommt der EU-Agrarkommissar a. D.Dr. Franz Fischler mit seinem neuen Gütesiegel „Gut so“ nach. In die Bedingungen für die Verleihung dieser Auszeichnung wird alles hineingepackt, was gut und teuer ist: Ein Stückerl vom Biolandbau, die cross compliance, die gute landwirtschaftliche Praxis, etwas vom Tierschutz und zum Drüberstreuen eine kräftige Prise Ethik.

Träger der Initiative ist die Fairea GmbH, eine Tochtergesellschaft des ökosozialen Forums. Laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins profil wird die Vermehrung der Marken- und Pickerlflut mit € 400.000,– Startsubvention gefördert. Das entspricht dem Gegenwert von mehr als 1 Million kg Milch auf Produzentenpreisbasis gerechnet. In weiterer Folge wird sich die neue Marke über Beiträge der Produzenten (!) selbst finanzieren.  

Die Beiträge der Produzenten (= Bauern) sollen, so profil weiter, 0,5 bis 2 % des jeweiligen Produzentenpreises betragen. Damit erhöhen sich natürlich die Produktionskosten um diese Beträge. Den Bauern werden, etwas unscharf, höhere Verkaufspreise für die „ethisch korrekten Lebensmittel“ in Aussicht gestellt, die selbstverständlich von den Konsumenten zu tragen sind. Die Marke „Gut so“ soll auf das AMA-Gütesiegel aufgepfropft werden. Staatlich anerkannte Prüfstellen hätten die zusätzlichen Kontrollen vorzunehmen. Schließlich wolle man ja den Bauern neue Auflagen und Kontrollen ersparen, den Konsumenten aber zusätzliche Informationen „auf einen Blick“ liefern, so die sehr logische und schlüssige Argumentation der Initiatoren.  

Ab Herbst 2008 werden Milch und Milchprodukte mit dem Gütesiegel „Gut so“ zu haben sein. Später sollen andere, weniger sensible, Produkte folgen.
Jetzt einmal andersherum – so zusagen quer gedacht: Werden mit solchen zusätzlichen Auszeichnungen und Gütesiegeln nicht alle anderen, schon bisher brav, ehrlich und ökologisch erzeugten Produkte der heimischen Landwirtschaft diskriminiert? Dies um so mehr als – ganz im Sinne der totalen Globalisierung und Gleichmacherei – die Marke „Gut so“ später auch für ausländische Produkte zugänglich sein wird.  

PS: Welche Förderung der öffentlichen Hand erhielt die äußerst erfolgreiche und für viele Bauern wirtschaftlich sehr bedeutende Privatinitiative „Hochlandrind als extensives Fleischrind“ und die damit seit 20 Jahren verbundene Qualitätsmarke HIGHLANDBEEF®?  

Die Antwort lautet schlicht und einfach: Nullkommajosef.

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