Kälberkrankheiten und Herdenbetreuung von Sabina Moser

Die Geburt ist gut verlaufen, das Kalb trinkt selbständig. So ist es bei den meisten Geburten. Trotzdem ist das Kalb noch nicht außer Gefahr. Alle diese Kälberkrankheiten, die ich unten anführe, erfordern schnellstmöglich den Tierarzt!  

Durchfall: besonders in den ersten beiden Lebenswochen sind Kälber durch Durchfall bedroht. Die großte Gefahr entsteht durch den massiven Flüssigkeitsverlust.  

Selenmangel: Immer mehr Gebiete sind hievon betroffen. Selenmangel löst bei der Kuh Fruchtbarkeitsstörungen aus. Beim Kalb merkt man zuerst, dass es ziemlich steif geht. Schließlich kann es nicht mehr selbst aufstehen und trinken. Wenn nicht früh genug behandelt wird endet es tödlich für das Kalb.  

Fruchtwasser in der Lunge: das Kalb atmet laut und röchelnd – hat leichtes Fieber. Wenn nicht behandelt wird, kann sich eine Lungenentzündung bilden und das Kalb kann sterben.  

Überhaupt: wenn ein Kalb nicht mehr gewohnt lebhaft ist, mehr herumliegt oder man das Gefühl hat, es trinkt nicht richtig, sollte man es einmal genau beobachten, wenn möglich Fieber messen und gegebenenfalls den Tierarzt holen.  

Nun, die Kälber sind ca. ein halbes Jahr alt. Langsam muss man sich überlegen, was man macht: lässt man die Stierkälber kastrieren, können sie problemlos in der Herde bleiben. Anders bei den Kuhkälbern: sie können schon mit 5 – 6 Monaten stierig werden. Was dann los ist, wenn Stierkälber und Kuhkälber in einer Herde sind, kann man sich vorstellen, denn auch die Stierkälber können schon mit einem halben Jahr deckfähig sein Zu frühe Trächtigkeiten vom Halbbruder oder Vater sind die Folge. Einfache Lösung: man teilt die Herde in Kühe mit Stierkälbern und Kühe mit Kuhkälbern. Der Zuchtstier bleibt im „männlichen“ Teil der Herde.
Dies funktioniert solange, bis die Kühe wieder gekalbt haben und erneut gedeckt werden sollen. Dann braucht man gezwungenermaßen für eine Zeitlang drei Flächen: eine für die Kalbinnen, eine für die Jungstiere und eine für die Kühe mit ihren neuen Kälbern und dem Zuchtstier. Wenn die Stierkälber kastriert sind, können sie allerdings bei den Kalbinnen bleiben.  

Klauenpflege: Klauenpflege machen wir nicht generell. Lediglich unsere „Schaukühe“ bekommen vor einer Schau „Fußpflege“. Unsere Älteste, 17 Jahre alt, wurde einmal geschnitten. Es kommt natürlich auch auf die Bodenbeschaffenheit an. Ist der Boden hart und steinig, wird Klauenpflege weniger notwendig sein als auf weichem Boden. Bei unseren Stieren haben wir noch nie Klauen geschnitten – unser alter „Chef“ war 15 ½ und hatte perfekte kurze Klauen. Auch die Farbe spielt eine Rolle: schwarze Tiere haben bessere Klauen als helle.  

Parasitenbekämpfung: zweimal jährlich – im Frühjahr und im Herbst – sollte man eine Parasitenbekämpfung durchführen. Es gibt sehr gute Präparate wie Cydectin, Eprinex oder Ivomec. Sie alle sind auch in BIO zugelassen, allerdings mit Verdoppelung der Wartezeit, d.h. Wartezeit bei Fleisch 14 Tage konventionell, 28 Tage BIO. Anzeichen für Parasitenbefall können sein Husten, Durchfall, nasses klebriges Fell oder ein Wachstumsstillstand. In all diesen Fällen ist mein erster Versuch: Cydectin . Die genannten Mittel wirken allerdings nicht gegen Leberegel. Wenn ein Tier plötzlich unruhig und nervös wird, wenn also eine massive Wesensveränderung stattfindet, sollten Sie an Leberegelbefall denken!
Wenn im Sommer die Zeit der dicken Roßbremsen ist, verschaffe ich meinen Tieren manchmal Erleichterung durch Tectonic. Dies hält die Plagegeister – auch Fliegen – wirkungsvoll ab – zumindest bis zum nächsten Regen. Als natürliches Fliegenabwehrmittel hat mir eine Pferdebesitzerin Teebaumöl empfohlen, hat aber nicht wirklich geholfen. Letztes Jahr wurde gegen Gnitzen Butox empfohlen, ich muss sagen, das hat nicht wirklich die erwünschte Wirkung. Außerdem ist die Wartezeit extrem lang – konventionell schon 28 Tage. Da muss man schon genau überlegen, welche Tiere man wann schlachten will. Bei mir werden Tiere auch gegen Parasiten behandelt wenn sie verkauft werden oder auf eine Ausstellung gehen. Hier erhielt ich von einem Bio-Kontrollor den Rat, die Tiere 14 Tage vor dem Transport zu behandeln. Würde sich das Tier irgendwie verletzen, dass es geschlachtet werden müsste, kann man das Fleisch zumindest verwenden.  

Im Winter hat man oftmals Probleme mit Trichophytie, das ist Haarausfall, ausgelöst durch einen Pilz. Es gibt hier „ Imaverol“ zum Waschen, man kann auch Blauspray nehmen, der ist pilztötend – aber deswegen vergeht der Haarausfall nicht schneller. Im Frühling, wenn die Sonne wieder scheint und der Fellwechsel kommt, wird es schnell wieder gut.  

Warzen sind eine „Jugenderkrankung“. Sie können an allen Körperstellen auftreten. Besonders am Bauch, in der Nabelgegend, können sie auch ganz schön groß werden und, wenn sich ein Tier kratzt, auch zu bluten beginnen. Sollten sie wirklich stark bluten, den Tierarzt holen. Ansonsten vergehen sie bis zu einem Alter von 2 -2 1/2 Jahren von selbst.  

Für viele Hochlandrinderzüchter ist das Einziehen eines Nasenrings ein heikles Thema. Ich möchte dazu sagen: auf Ausstellungen ist ein Nasenring Pflicht und ich finde, auch auf dem Betrieb ist er nicht unnötig. Der Nasenring ist immer nur eine Notbremse. Ich würde keinen Stier nur am Ring führen oder am Ring anbinden, schon gar nicht im Hänger, aber ich möchte auch nicht mit einem Stier ohne Ring mit fünf anderen im Ring gehen. Ich empfehle, den Stier zum Nasenring einziehen „schlafen legen“ zu lassen. Ich habe jetzt schon so manchem Stier einen Ring einziehen lassen, hatte noch nie ein Problem, dass er sich danach nicht mehr am Kopf angreifen lassen wollte oder sonst irgendwie misstrauisch mir gegenüber war. Die Tiere stehen auf, fressen mir Brot aus der Hand wie zuvor. Den Ring sollte man auch mindestens 14 Tage nicht angreifen oder daran ziehen. Danach kann man vorsichtig beginnen, einen Strick mit Karabiner einzuhängen – ohne anzuziehen.  

Nun, es kommt der Tag, an dem der „Lieblings-Teddybär“ verkauft oder geschlachtet werden muss. Der Zuchtviehmarkt ist schwierig. Die Fleischvermarktung allerdings läuft gut. Rindfleisch aus natürlicher Haltung, wo die Leute sehen, wie die Tiere leben, ist sehr gefragt. Hier bietet die ARGE die Möglichkeit, der Vermarktung von „Highlandbeef – das Premium-Bio-Rindfleisch.
Wir schlachten unsere Stiere in einem Alter von 2 ½ – 3 Jahren. Meine Tiere sind sehr zahm. Sie lassen sich leicht und ohne Stress verladen – wichtig für eine gute Fleischqualität. Und der kleine Schlachthof ist nur 10 km entfernt.
Und auch die Kühe werden älter. Was macht man mit einem alten Tier? Wir haben uns hier die Schiene „Wurst“ aufgebaut. Wir schlachten z. B. im Herbst einen Stier für Frischfleisch und eine alte Kuh für die Wurst. Edelteile, wie Lungenbraten und Beiried behalten wir selbst. Nach 4 – 5 Wochen im Vacuum wunderbar! Ein Teil wird als „Bündner Fleisch“ verarbeitet, der Rest wird Wurst. Wir haben sieben verschiedene Wurstsorten – unser Metzger ist hier Spezialist. Am Verkaufstag lasse ich die Kunden alle Sorten kosten, meist wird von überall etwas genommen. 

Wenn jemand noch Fragen an mich hat:

Sabina Moser
www.highland-hill.at  

Ich würde es auch sehr begrüßen, wenn mehr Leute ihre Erfahrungen – positiv oder negativ – im Forum veröffentlichen würden. Denn: jeder hat andere Erfahrungen und Erlebnisse mit seinen Tieren und jeder kann daraus für sich lernen.

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