Steck das Brot in den Tank

Lebensmittelkrise – weltweit. Reis, Mais, Weizen und Soja werden knapp und teuer. Hungerrevolten in Ägypten, Mexiko, Haiti und anderen afroasiatischen bzw. südamerikanischen Ländern. Wohlgemerkt, in Gebieten und Ländern, die von den natürlichen Gegebenheiten her durchaus in der Lage sein sollten, genügend Lebensmittel für ihre Bevölkerung zu erzeugen – und die das früher auch konnten. Wie kommt es zu dieser bedrohlichen Entwicklung?
Die großen Simplifizierer dieser Welt haben die Antwort vorgefertigt auf Lager: Die bösen Industriestaaten westlicher Prägung und deren Agrarpolitik sind schuld daran, weil sie aus den oben angeführten Agrarprodukten, also aus „Brot“ im weiteren Sinn, „Biosprit“ erzeugen.

Diese einfache Begründung für die neuerliche Ausbreitung des Hungers auf der Welt ist eine typische Halbwahrheit. Bekanntlich sind Halbwahrheiten gefährlicher als Lügen. Diese sind nämlich viel leichter erkennbar, als die oft sehr glaubhaft getarnten Halbwahrheiten.

Wo liegen die wahren Ursachen für die – angeblich – weltweite Lebensmittelkrise?

Sicher tragt in manchen Gebieten, wie z. B. in Afrika südlich der Sahara, das sich ändernde Klima dazu bei. Missernten aufgrund von Wetterextremen in allen Teilen der Welt sind eine weitere – teils temporäre – Ursache. Spekulationen spielen wahrscheinlich eine Rolle. Auch wenn es jetzt wieder einen Aufschrei der Gutmenschen gibt: In Wahrheit sind die Hunger- und Elendsstaaten selbst an ihrer Situation schuld. In vielen Staaten Afrikas, Asiens und auch Südamerikas sind es vor allem die verantwortungslosen, unfähigen und korrupten Regierungen die es, Mangels jeden Ansatzes einer Agrarpolitik, fertig bringen gewachsene bäuerliche Strukturen systematisch zu zerstören. Die früher überwiegend bäuerliche Bevölkerung dieser Länder wird in die Ballungszentren oder in Flüchtlingslager getrieben, wo sie in Elendsquartieren beschäftigungslos dahin vegetiert. Hilfs- und Entwicklungsgelder werden für die persönliche Prachtentfaltung der jeweiligen Häuptlinge und Potentaten und für Waffenkäufe verwendet. Denn die so genannten Entwicklungsländer sind vorzugsweise in blutige und lang andauernde Bürger- und Stammeskriege oder sonstige bewaffnete Konflikte verwickelt. Die Ernährung der betroffenen Bevölkerung überlässt man der internationalen Gemeinschaft und deren zahllosen Hilfsorganisationen. Die Hilfsorganisationen greifen mit Lebensmittellieferungen ein. Weizen und Reis waren jahrzehntelang um Spottpreise zu haben. Agrarprodukte hatten auf dem Weltmarkt keinen Wert. Am Höhepunkt des Lebensmittel-Dumpings war Weizen billiger als Sägespähne. Also ab mit den Überschüssen in die Hunger-gebiete. Das entlastete nicht nur die Agrarmärkte sondern war auch noch ein gutes Werk. Wohltätigkeit scheint überhaupt ein recht gutes Geschäft zu sein. Gäbe es sonst diese schier unüberblickbare Anzahl von Hilfsorganisationen? Das kostet schon einmal einen erheblichen Anteil der verfügbaren Gelder. Denn ganz umsonst arbeiten auch Wohltäter nicht. Auch der beliebte Wohltätigkeits- und Katastrophentourismus von Politikern und Funktionären kostet Geld, das eigentlich den Not leidenden Menschen zugedacht ist.

Lebensmittelhilfen sind unter bestimmten Voraussetzungen selbstverständlich notwendig und richtig. Leider sind sie in den letzten Jahrzehnten zur Gewohnheit für eine ganze Reihe von parasitären Staaten geworden. Dadurch wird aber das Übel Hunger keineswegs an der Wurzel gepackt. Behandelt werden nur die Symptome. Die Strukturen bleiben wie sie sind oder verschlechtern sich sogar noch und der Bedarf an Hilfslieferungen steigt von Jahr zu Jahr.

Nach dem zweiten Weltkrieg halfen die USA dem zerstörten Europa zunächst im Rahmen der UNRRA mit Lebensmittellieferungen. Gleichzeitig setzte aber mit dem Marshallplan (ERP) ein Programm zum Wiederaufbau der Wirtschaft und Entwicklung der Landwirtschaft ein. Der Erfolg war durchschlagend und führte letztlich zu Lebensmittelüberschüssen.
Die Zeit der billigen Lebensmittel ist nun aus verschiedenen Gründen endgültig vorbei. Das sollte auch den Wohltätern klar werden. Der einzige Ausweg aus dieser Spirale des Hungers, die eine Folge der menschlichen Dummheit ist, besteht darin, die benötigten Lebensmittel im jeweiligen Land von der dortigen Bevölkerung erzeugen zu lassen. Dabei müssen die „Geberstaaten“ der so genannten Dritten Welt helfen. Geholfen kann nur mit Fachwissen, Saatgut, Dünge- und Pflanzenschutzmitteln so wie technischen Einrichtungen werden. Nun bestehen aber gerade in den hilfsbedürftigen Staaten nicht immer die notwendigen stabilen und sicheren Verhältnisse. In solchen Fällen wäre das betreffende Land zunächst unter eine Art Sachwalterschaft oder Zwangsverwaltung der UNO zu stellen, so wie nicht handlungs-fähige, natürliche Personen einen Sachwalter zur Seite gestellt bekommen. Diese Form der Hilfe hätte schon vor Jahrzehnten konsequent angewendet werden müssen. So aber sind seit den 1960ern enorme Beträge an Entwicklungshilfe – ohne nachhaltigen Erfolg – in die Länder der Dritten Welt gepumpt worden. Geändert hat sich wenig. Ein Fass ohne Boden!

Übersehen wird gerne auch der Umstand, dass die Weltbevölkerung hemmungslos jährlich um rund 80 Millionen wächst. Von Geburtenkontrolle wird nicht einmal mehr gesprochen. Zusätzlich haben sich die Ernährungsgewohnheiten in den Schwellenländern geändert. Chinesen und Inder haben „zu essen begonnen“.
Die Erzeugung nachwachsender Energieformen beansprucht natürlich auch Anbauflächen, die dann nicht mehr für die Lebensmittelproduktion zur Verfügung stehen. Wie war es aber in nicht allzu lange zurückliegenden Zeiten. Damals mussten beträchtliche Teile der landwirtschaftlichen Nutzflächen für die Ernährung der Zug- und Arbeitstiere zur Verfügung gestellt werden. Auch damals wurden die Pferde und Ochsen – im übertragenen Sinn – mit „Brot“ gefüttert. Komisch, dass unsere Vorfahren dies nicht als Sakrileg, sondern als Selbstver-ständlichkeit empfanden. Jetzt wird der gleiche Vorgang von den Berufsmoralisten als Sünde bezeichnet. Welchen Unterschied macht es, ob man das „Brot“ in den Ochsen, das Pferd oder in den ´Tank steckt? Womit aber wirklich Schluss seine sollte, ist das hemmungslose zu-betonieren bzw. zweckentfremden von fruchtbarem Boden.

Erst kürzlich war in einer steirischen Zeitung zu lesen, dass in St. Irgendwo an der Jauche sieben Hektar bestes Grünland in einen „Bauerngolfplatz“ umgewandelt wurden. „Bauerngolf“ ist trendig, der letzte Schrei, ungemein wichtig für die Entwicklung des länd-lichen Raumes und das Ansehen des Herrn Bürgermeisters. Auf dieser Fläche könnten, auch bei extensiver Weidewirtschaft, acht oder neun Mutterkühe samt Nachzucht gehalten werden. Ob das nicht gescheiter wäre? Ja, ja, ich weiß schon, nach so ein paar Kuhschwanzln kräht derzeit kein Hahn. Das könnte sich aber in absehbarer Zeit grundlegend ändern.
Bezeichnend für den Zeitgeist ist es auch, Flächengrößen mit so und soviel Fußballplätzen anzugeben. Ehrlich, ich weiß wirklich nicht wie groß ein Fußballplatz ist. Als Landwirt weiß ich aber sehr genau was ein Hektar ist. Und ich kann mich gut an jene Zeiten nach dem zweiten Weltkrieg erinnern, als in österreichischen Städten Tennis- und Fußballplätze mit Gemüse und Erdäpfeln bebaut wurden. Hunger tut weh! Unsere glückliche, an den Überfluss gewöhnte Erfolgsgeneration weiß noch nicht was Not, Mangel und Hunger bedeuten. Gebe es
Gott, dass es so bleibt.

Zum Abschluss noch eine Feststellung: Auch der Untergang des Römischen Imperiums ist zu einem guten Teil auf den Niedergang der kleinstrukturierten, bäuerlichen Landwirtschaft zurück zu führen.

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