“Die Halbwahrheit der Agrarexporte”

Unsere Agrareliten können hinsichtlich des Exportes von Agrarprodukten mit geradezu sensationellen Erfolgszahlen aufwarten. Das tun sie auch ausgiebig, um die Vorteilhaftigkeit unserer EU-Mitgliedschaft täglich neu unter Beweis zu stellen. Der Export ist aber nur die eine Seite. Ein Gesamtbild erhält man, wenn auch die Importseite berücksichtigt wird.

Von 2004 bis 2013 nahm Österreichs Außenhandel mit Agrarprodukten von 5,38 Mrd. € um beachtliche 4,14 Mrd. € oder 77% auf 9,52 Mrd. € zu. Im selben Zeitraum stiegen aber unsere Agrarimporte von 5,86 Mrd. € um ebenso beachtliche 4,61 Mrd. € oder 78,7% auf 10,47 Mrd. €. Das heißt nichts anderes, als dass die wachsenden Absatzmöglichkeiten für Agrargüter im Export, durch Importe von agrarischen Produkten am Inlandsmarkt in ähnlichem Umfang geschmälert werden. Gleichartige Güter werden also hin und her geschoben, sehr zur Freude des Handels und der Transportwirtschaft, aber zu Lasten der Umwelt. Gesamtwirtschaftlich gesehen mag das ja ein Vorteil sein, der Landwirtschaft bringt es aber absolut nichts.

So lagen z. B. 2013 die Importe von landwirtschaftlichen Primärprodukten wie lebende Tiere, Futtermittel Getreide und Gemüse weit über den diesbezüglichen Ausfuhren. Nur bei Fleisch und Fleischprodukten sowie Milch und Molkereiprodukten übertrafen die Exporte die Einfuhren. Vorteile zogen daraus vor allem Handels- und Verarbeitungsbetriebe. Für die produzierenden Bauern bringt diese handelspolitische Selbstbefriedigung nur ruinöse Weltmarktpreise.

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