Trächtigkeit und Geburt – Tipps vielleicht nicht nur für Anfänger

Geburtsprobleme beim Hochlandrind sind selten. Das heißt allerdings nicht, dass es sie nicht gibt.  

Wir belegen unsere Kalbinnen mit ca. zwei Jahren. Eine Faustregel sagt: 60 % vom Endgewicht der Kuh. Wenn also eine Kuh zwischen 500 – 600 kg wiegen soll, kann man die Kalbin mit einem Gewicht von 300 – 360 kg belegen.  

Rinder tragen ca. 285 Tage. Besorgen Sie sich beim Tierarzt einen Brunstkalender. Er ist im 3-Wochen-Rhytmus eingeteilt. Hier können Sie alle Beobachtungen, z.B. wann eine Kuh oder Kalbin stiert oder gedeckt wird eintragen. Sie sehen dann auch gleich den zu erwartenden Geburtstermin. Auch Parasitenbehandlungen kann man hier eintragen, man hat immer einen guten Überblick über das Herdengeschehen.  

Wenn Sie einen Stier zu Ihrer Herde geben, bedenken Sie: Geburten im Sommer sind gefährlich. Fliegen legen ihre Eier im noch nassen Fell des Kalbes ab. Die Maden fressen das Kalb von innen her auf. Wenn schon Geburt im Sommer dann nach Möglichkeit im Stall, dort ein paar Tage lassen, damit man genau beobachten kann. Wenn das Tier dauernd mit dem Schwanz wedelt, sehr unruhig oder auch gar nicht lebhaft ist, immer an Fliegenbefall denken. Erste Hilfe: das Kalb mit Alkohol waschen. Die Maden kommen aus dem Fell, außerdem trocknet der Alkohol die Fliegeneier aus. Gegen Maden, die bereits im Körperinneren sind, Cydectin oder ähnliches aufgießen. Das waschen mit Alkohol mehrere Tage immer wieder durchführen. Zur Fliegenabwehr kann eventuell Tectonic versuchen.Fliegenbefall ist auch im Herbst noch ein Thema. Wenn es im Oktober oft noch sehr schön und warm ist, ist das Ungeziefer besonders aggressiv.

Ich bevorzuge Kalbungen im Winter – Jänner bis spätestens April. Man muss hier allerdings die Möglichkeit haben, die Tiere im Stall kalben zu lassen. Ich sperre meine Kühe ca. 14 Tage vor dem Geburtstermin bereits über Nacht im Stall ein. Tagsüber können sie wieder ins Freie. So schlafe ich ruhiger und bei Tag kann ich ja öfters nachscheuen gehen.  

Ist das Kalb dann da, ist das wichtigste – und oftmals auch schwierigste – trinkt es? Mein Tierarzt sagt, innerhalb von zwei Stunden muss ein Kalb Biestmilch trinken, ansonsten hat die Milch nicht mehr ihre Wirkung, da sich die Darmflora entwickelt. Außerdem ist ein Kalb nach der Geburt völlig schutzlos sämtlichen Viren und Bakterien ausgesetzt. Wenn ein Kalb nicht schnell das Euter findet, sollte man helfen. Ich kann bei jeder Kuh das neugeborene Kalb anfassen und notfalls ans Euter lotsen. Meistens kapiert es mit ein bißchen Hilfe sehr schnell, wo die Milch fließt. Mir ist folgendes aufgefallen: Kälber, bei denen der Unterkiefer etwas vorgeschoben ist, können die Zitzen leichter fassen als Kälber, bei denen dies nicht der Fall ist. Hier kann es schon ein paar Tage dauern, bis es klappt. Aber mit ein bißchen Hilfe geht es. Wenn die Kuh sehr unruhig ist oder das Kalb sich besonders „dumm“ oder stur anstellt, ist ein Fläschchen Biestmilch angezeigt. Für solche Fälle habe ich immer Biestmilch in 1/2l-Bechern eingefroren. Sie hält ca. ein Jahr, ich bekomme sie von einem Nachbarn. Wichtig: es sollte die allererste Milch sein, das ist die beste. Im Wasserbad auftauen – im Topf brennt sie leicht an, weil sie doch sehr dick ist. Auch nehme ich am Anfang ein Babyflascherl, die Sauger der Kälberflaschen sind mir zu groß genauso wie die Flaschen – die Milch kühlt zu schnell aus.  

Die Ohrmarken sollten spätestens am zweiten Tag eingezogen werden, ansonsten erwischt man das Kalb meist nicht mehr. Hier rate ich zu Vorsicht und dazu, das Kalb aus der Box der Mutter zu nehmen. Denn wenn die Mutter merkt, daß jemand ihrem Kalb was tun will, kann so eine Box schnell ziemlich eng werden ….  

Bei Kalbinnen rate ich im allgemeinen zur Vorsicht. Man weiß nicht, wie sie reagieren. Es ist ja auch für sie eine neue Erfahrung. Sollte das Kalb einer Erstlingskuh sterben oder auch nur einige Stunden von der Kuh getrennt werden müssen, so ist bei der nächsten Geburt besondere Vorsicht geboten: Die Kuh hat nicht gelernt, sich um ihr Kalb zu kümmern.  

Noch eine Beobachtung: ist ein Kalb sehr schnell auf den Beine, ist es meistens ein Kuhkalb. Stierkälber sind fauler und bleiben länger liegen.  

Falsche Lagen gibt es auch bei Hochlandrindern. Man erkennt es daran, daß die Klauenunterseiten nach oben zeigen. Eine Steißlage ist besonders gefährlich. Sobald die Nabelschnur abreißt, beginnt das Kalb zu atmen und es ertrinkt praktisch im Fruchtwasser. Hier ist schnelle Hilfe nötig – das Kalb so schnell wie möglich herausziehen. Auch wenn das Kalb auf dem Rücken in der Kuh liegt, sollte man schnell helfen. Erste Hilfe, wenn ein Kalb nicht atmet: Schleim aus Maul und Nase entfernen, Kalb ausstrecken – Vorderfüße nach vorne, Hinterbeine nach hinten – ein Schlag mit der flachen Hand auf den Nacken, eventuell kaltes Wasser. Auch mit einer Nadel in der Mitte der Nase, am Übergang Haare – haarlos einstechen, kann helfen.  

Trächtigkeit und Geburt

Schoko – er lag auf dem Rücken in der Kuh. Hier musste ich zum ersten Mal helfen.

Mehrlingsgeburten sind selten. Ein Bekannter aus Hessen hatte letztes Jahr Drillinge, ich selber hatte Zwillinge. Hier muss man besonders darauf achten, dass beide Kälber trinken. Ich konnte meine Zwei nicht auseinander halten, deshalb bekam einer ein Bändchen um den Hals. Bei gemischten Zwillingen ist das weibliche Tier fast immer unfruchtbar.

Trächtigkeit und Geburt

Die Zwillinge Mars und Merkur – 19 und 20 kg schwer

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