Yvonne

Wer kann schon in die Seele einer Kuh schauen? Ob Yvonne nur ganz normal verhaltensgestört ist, wie das ja auch beim Menschen vorkommen soll, oder aber in einem Anfall von spätem Atavismus zur Lebensweise ihrer Ahnen in den Urwäldern Europas zurückkehren wollte, hätte vielleicht von einem Tierpsychologen festgestellt werden können. Einen solchen hätte der tierschützende Schauspieler Michael Aufhauser einfliegen lassen sollen, nicht einen renommierten Großwildjäger mit seinem Pusterohr. Auch einer der in Mode gekommenen „Kuhflüsterer“ wäre fehl am Platze gewesen. Die doch schon betagte Dame Yvonne könnte schwerhörig sein. Da nützt kein Flüstern. Sicher wären gute, tierliebende Menschen bereit gewesen, Yvonne mit einem kuhkompatiblem Hörgerät auszustatten. Koste es was es wolle. Das hätte aber zu lang gedauert. Yvonne musste ja schnellstens mit ihrem geliebten Sohn Friesi vereint werden – ob sie das wollte oder nicht.

Tierschutz sollte so verstanden werden, dass man Tiere so leben lässt, wie sie es selbst wollen. Yvonne wollte offensichtlich allein und im Wald leben. Warum ließ man sie nicht? In diesem Zustand stellte sie keine Gefahr dar. Zumindest wäre sie harmloser gewesen als all die Bären, Wölfe und Luchse, die sich Tierschützer in unsere Wälder zurück wünschen.   

Yvonne

Ein Simmentaler Fleckvieh, die Rasse, zu der auch Yvonne zählt

Haben der famose Herr Aufhauser und seine Kuhspezialisten bedacht, dass Yvonne von Zeit zu Zeit menschliche Assistenz braucht und erdulden muss? Zumindest jedes zweite Jahr sind die Klauen zu schneiden, es könnte eine Ohrmarke neu eingezogen werden müssen oder eine tierärztliche Behandlung oder Pflichtuntersuchung notwendig werden. Will man dann wieder ein Rodeo aufführen wie bei der im Fernsehen gezeigten Verladung der armen Yvonne? Dabei käme es immer wieder zur Gefährdung von Menschen. Das hätte zwar mangels eines Menschenschutzgesetzes kaum rechtliche Konsequenzen, könnte aber doch zu ärgerlichen Personalausfällen führen. Kehren wir aber zum Ausgangspunkt dieses Melodrams oder wie man heute sagt, Kuhsoap, zurück. Yvonne sollte geschlachtet werden, geriet somit in Not und musste gerettet werden.  

In Österreich wurden 2009 lt. Statistik Austria 6,629.478 landwirtschaftliche Nutztiere (ohne Geflügel) geschachtet. Dadurch gerieten sie in Not und wären zu retten gewesen. Zur Bewältigung dieser großen Anzahl wäre es mit einer Erweiterung von Gut Aiderbichl nicht abgetan. Es müsste vielmehr eine flächendeckende „Eiderbichelisierung“ der Landwirtschaft einge-leitet werden. Die EU ist sicher bereit dabei kräftig zu helfen. Das Programm könnte unter dem Namen „Gnadenhöfe statt Bauernhöfe“ im ÖPUL laufen.  

Für die überflüssig gewordenen Bauern wären Reservate einzurichten, wie sie sich schon in den USA für die überflüssig gewordenen Indianer bestens bewährt haben. Rindschnitzel und Schweinsbraten zweifelhafter Qualität können wir ja problemlos importieren. Dies würde uns auch den Anblick mangelhaften Tierschutzes österreichischer Prägung ersparen. Wie die Friesis, Liesis, Maxis, Bullis, und die „schwangeren Kuhlimuhli“ oder „Schweinderln“ in anderen EU-Ländern behandelt werden, ginge uns in diesem Fall nichts an. Unsere Tierschützer könnten sich dann voll den Hunderln, Katzerln und Vogerln widmen. Während tausende, wenn nicht zehntausende, von österreichischen Bauern aufgrund unsin-niger und unüberlegter Tierschutzbestimmungen zu Irrsinnsinvestitionen oder zum Aufgeben gezwungen und so in den Ruin getrieben werden, führt uns eine Gauklertruppe vor, wie brutal Tierschutz sein kann. Würde ein Bauer seine Kühe so unprofessionell verladen – eine Anzeige nach dem Tierschutzgesetz mit nachfolgender saftiger Strafe wäre ihm sicher. Und das zu Recht. Eine ernste Gefahr für die Landwirtschaft bestünde natürlich auch darin, dass der Herr Gesundheitsminister ambitionierte Tierschützer und Nutztierexperten vom Kaliber Aufhausers in seinen Tierschutzrat auf nimmt und bei der Erarbeitung neuer Tierschutzgesetze und Verordnungen mitwirken lässt. Wenn das nicht ohnehin schon geschieht. Siehe das angestrebte Verbot des Kastenstandes in der Schweinezucht.  

Man sollte den Fall Yvonne zum Anlass nehmen, um ein Volksbegehren für die Erlassung eines Menschen- bzw. Bauernschutzgesetzes einzuleiten.

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