Zu Besuch in den USA

Da es noch immer zu den unerledigten Vorhaben in meinem 24-jährigen Leben gehörte, den Boden der Vereinigten Staaten von Amerika unter meinen Füßen zu spüren, packte ich am 30.April 2008 die Gelegenheit beim Schopf und buchte einen Flug nach Philadelphia. 3 Tage später – mit leichtem Gepäck, ein paar Dollar und großen Erwartungen, sowie eine für USA-Reisende unentbehrliche Kreditkarte ging’s dann schon los.

Abflug von Wien-Schwechat in Richtung Philadelphia USA. Der erste Kontakt zur amerikanischen Bevölkerung konnte auch schon in der Abflughalle Wien-Schwechat hergestellt werden. Ein doch schon etwas „betagtes“ Ehepaar war auf dem Rückflug in die Heimat. Da in meiner 2-tägigen Vorbereitungszeit nicht viel Zeit für eine ausführliche Reiseplanung blieb, war das meine Chance etwas mehr über die „Neue Welt“ zu erfahren.

Natürlich musste auch einer Einladung eines amerikanischen Hochlandrinderzüchters gefolgt werden und so stand ziemlich zu Beginn der Reise ein Besuch bei einem amerikanischen „highland-cattle“-Züchter aus Virginia am Programm. Nach Besichtigung der kleinen aber feinen, nach schottischer Blutlinie gezüchteten Herde konnten noch Erfahrungswerte und Zuchtziele, welche sich jedoch nicht wesentlich von den „unsrigen“ unterscheiden, ausgetauscht werden.
An dieser Stelle möchte ich auch auf ein, bei uns meiner Meinung nach, noch nicht sehr weit verbreitetes Werkzeug mit dem originellen Namen „a farmer’s best friend“ aufmerksam machen. Es handelt sich dabei um einen Stacheldrahtspanner, mit dem problemlos und vor allem SICHER Stacheldraht über größere Längen gespannt wird. Ein Werkzeug, das sicher auch für den einen oder anderen Hochlandrinderzüchter interessant ist. Auf ebay erhältlich um ca. 30€  

Mit meinem Leihauto von Alamo fuhr ich dann weiter in Richtung Kanada zu den Niagara Fällen. Auf dem Weg dorthin konnte ich mir den Stil Amerikas etwas genauer anschauen.  

Es war schon dunkel, ich hatte (wie auch den Rest der 3 Wochen) keine Eile und so entschied ich mich für eine gute eisgekühlte, amerikanische Soda an einer etwas abgelegenen kleinen Bar irgendwo zwischen Virginia und Kanada.  

Ich zur Barfrau: „Eine Soda bitte.“ Die Barfrau: „Welche Soda?“ Ich (verwirrt) zur Barfrau: „Was habt ihr denn für Soda?“ Die Barfrau: „Naja, wir haben Cola-Soda, Fanta-Soda und Sprite-Soda.“ Ich zur Barfrau: „Dann nehme ich bitte eine Cola-Soda.“  

Dazwischen Smalltalk mit der Barfrau über…  

Als sich mein Glas dem unteren Drittel neigte wurde es von „Jenny“ unaufgefordert wieder angefüllt.

Zu Besuch in den USA   Zu Besuch in den USA   Zu Besuch in den USA

Ich dachte: „Ist das hier so der Brauch, jemanden der eine Cola kauft noch eine 2. anzudrehen?“ Ich zur Barfrau: „Ich möchte bitte bezahlen.“ Die Barfrau: „Nein, nein „Soda“ ist bei uns nicht zu bezahlen. Ich (sowieso schon verwirrt) zur Barfrau: „Wie kann das sein?“ Die Barfrau: „Der Chef will nicht, dass Leute betrunken fahren und deshalb gibt’s Soda gratis!“  

Toll, da hat mich doch glatt ein Ami, der mich gar nicht kennt, auf 1Liter Cola eingeladen. An und für sich keine soo große Sache. Was ich damit aber sagen wollte, ist: Das ist der Stil von Amerika – so, wie ich ihn in den 3 Wochen kennen gelernt habe. Sei es jetzt diese Cola, einmal nach dem Weg fragen oder die Grillerei beim NASCAR Rennen. Überall begegnete ich Menschen in den USA, die freundlich und hilfsbereit und ganz und gar nicht so waren, wie die meisten Menschen bei uns über Amerikaner denken. Ich hoffe, wenn vielleicht gerade Sie das nächste Mal im Freundeskreis wieder schlecht über die Amerikaner reden oder jemanden reden hören, Sie sich an meine Zeilen erinnern und daran denken, ob Sie wirklich über ein Urteil über eine ganze Nation in der Lage sind. Eine Nation, dessen Vorfahren es vor über 60 Jahren nicht gescheut haben uns zu helfen. Sei es auch aus ein wenig Eigeninteresse gewesen. Wir sind dessen Erben und was wären unsere Alternativen gewesen bzw. wie sehe es heute bei uns aus? Haben nicht wir den größten Nutzen daraus gezogen? Wäre es nicht beschämend, bereits nach so kurzer Zeit mit dem Finger auf „die da“ zu zeigen? Ist es nicht die Pflicht eines jeden Einzelnen von uns, dieses Erbe zu bewahren und vielleicht auch etwas Dankbarkeit zurückzugeben?  

Wenn jemand seinen nächsten Urlaub in den Staaten plant, dem sei West-Virginia mit seinen saftigen riesigen Weiden, den weiten Landschaften und schneebedeckten Bergen ans Herz gelegt. Gerne kann auch ich Tipps über eine Rucksackreise in die Vereinigten Staaten von Amerika geben.  

PS: Auch ich hätte John Mc.Cain gewählt.  

Text und Bilder: Peter Hinterdorfer

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