Thema Wolf – Reaktion auf das Schreiben der Landesregierung

Liebe Züchterkolleginnen und  Züchterkollegen!

Im Namen des Vorstandes der Vereinigung der OÖ Hochlandrinderzüchter erging unten stehender Brief an das Amt der OÖ Landesregierung.
Vielen herzlichen Dank unserem MItglied, Dr. Ulf Krückl, der diesen Brief als Reaktion auf das Antwortschreiben der OÖ Landesregierung, betreffend der Förderung
von Schutzmaßnahmen, verfasst hat.

 

D.I. Dr. Ulf Krückl
Mitglied der Vereinigung OÖ Hochlandrinderzüchter
Holzmann 30
4322 Windhaag Windhaag, am 6.6.2018

Amt der OÖ Landesregierung
Direktion für Landesplanung, wirtschaftliche und ländliche Entwicklung
Abt Forst – und Landwirtschaft /z.H. HR Dr. Mülleder
4021 Linz, Bahnhofplatz 1

Betrifft: LFW 2016-20162/65-Mü vom 23.4.2018

Sehr geehrter Herr HR Dr. Mülleder!
Vielen Dank für Ihr erklärendes und freundliches Schreiben. Der Inhalt zeigt uns, dass es dringend notwendig ist, die Beweggründe der Hochlandrinderzüchter (gleichermaßen gilt für andere Rinderzüchter mit Freilandhaltung) zu beschreiben. Wir bezweifeln nicht, dass Herr LR Hiegelsberger alles versuchen wird, auf politischer Ebene eine Verbesserung der Situation zur möglichen Abwehr von Wolfsangriffen – den damit verbundenen Schäden, dem Tierleid und der Betroffenheit über die verfügte Machtlosigkeit des Tierhalters, selbst innerhalb der eingezäunten Weideflächen derzeit nicht rettend eingreifen zu dürfen, wenn der Wolf dabei zu Schaden kommen könnte – herbeizuführen.
Wir glauben, dass er dazu auch vorzeigbare Argumente braucht, die es ihm ermöglichen, die politische Beweisführung in dieser Angelegenheit zu untermauern. Eine dieser Grundlagen sind die Ansuchen um Förderung von Präventivmaßnamen, wie sie als Grundlage in den Wolfsmanagementplänen derzeit einseitig zugesagt werden. Selbst wenn diese Ansuchen abgelehnt werden, schaffen die veranschlagten Kostenaufstellungen auf Basis der Anbotserstellungen einschlägig tätiger Firmen ein Bewusstsein über den notwendigen Kosteneinsatz!

Dazu muss den Befürwortern einer uneingeschränkten Wolfsbestandsvermehrung klar gemacht werden, dass eine Abgeltung von Schäden durch Risse an Zuchttieren nicht durch eine einfache finanzielle Abgeltung (nach Fleischwert o.ä. versicherungsmechanischen Vorstellungen) getätigt werden kann. Hier wird wertvolle Genetik u.U. unwiederbringlich zerstört. Es wird daher umgehend notwendig sein, den tatsächlichen Zuchtwert eines Tieres mit wissenschaftlichem Hintergrund zu berechnen und zu erfassen (ähnlich, wie es die Versicherungen zur Abgeltung von Schäden selbst bei einfachem Schalenwild durch Hunderisse tätigen).
Fast unerträglich ist die Tatsache, dass in Fragen und Diskussionen zur Akzeptanz des Wolfes das Empfinden des Betroffenen, sein Schmerz bei Verlust eines Tieres, das er ab Geburt bis zum Zuchtverkauf liebevoll „handsam“ aufgezogen hat, nicht als beachtenswert gesehen wird!
Sie haben vollkommen recht, dass durch Präventivmaßnahmen kein sicherer Schutz einer Rinderherde (oder anderer Tiere) erreicht werden kann. Im März vorigen Jahres hat das Eindringen eines Wolfes über die Zufahrt eines Bauernhauses in Windhaag bei Perg auf eine mit Elektrozaun und teilweise zusätzlich mit Pfosten gesicherten Weide gezeigt, dass die Rinder so in Panik gerieten, dass diese Elektrozaun und Pfosten durchbrachen und sich in den nahen Wald flüchteten (durch eine aufgestellte Wildkamera in der Zufahrt wurde ein Wolf zeitgleich fotografiert). Die am Ort ansässigen Landwirte kontrollieren seit jenem (übrigens zweimaligen) Vorfall nun jedesmal auch in der Nacht die Weide, sobald Lärm durch Beunruhigung der Tiere hörbar ist. Es dürfte verständlich sein, dass das eine erhebliche Belastung darstellt.
Die FFH-Richtlinien und die bei der EU liegende Entscheidungshoheit über den Schutzstatus sind uns bekannt. Wir erwarten auch, dass die Politik alles in ihrer Macht Stehende dazu beiträgt, diesen Schutzstatus von IV auf V zu ändern.

Im Wolfsmanagement könnte aber auch national einiges zur Erleichterung der Bauern beigetragen werden. Es sollte zumindest erreicht werden, dass im Sinne des Notwehrparagraphen es möglich sein müsste, einen in einen durch Elektrozäune abgegrenzten Weidebereich eingedrungenen Wolf, der bei einem Angriff auf Rinder erwischt wird, mit Gewalt am weiteren Vorgehen zu hindern! Dafür würde gerne auch in Kauf genommen, dass die unmittelbar danach zu verständigende Behörde das Eindringen und die Verhältnismäßigkeit der Handlung prüft. Der Tierschutz nach §19 sollte in diesem Fall vorrangig angesehen werden.
Die bereits zu einem früheren Zeitpunkt angedachte Möglichkeit der Vertreibung mittels Gummischrot erscheint lächerlich, da Versuche des am vorerwähnten Bauernhof wohnenden Jägers auf Styroporplatten zeigen, dass selbst Gummischrote, die zur Selbstverteidigung dienen (Kal. 12/70, abgeschossen aus einem Schrotgewehr mit 72 cm Lauflänge) in einer Entfernung von 20 m vom Wolf kaum mehr gespürt werden könnten.

Zudem ist die Streuung der Gummikugeln bereits so groß, dass der zu vergrämende Tierkörper zufälligerweise nur von ein bis ganz wenigen Gummischroten getroffen würde.
Zu den NGO`s sei noch gesagt, dass wir Politiker wählen, die mit Verstand die Interessen der Wähler zu vertreten haben. Wir wollen nicht von NGO`s regiert werden!
Wir bitten um Verständnis für die erklärende Darstellung unseres Empfindens und auch dafür, dass wir uns weiter dafür einsetzen werden.

Mit freundlichen Grüßen
D.I. Dr. Ulf Krückl

Mitglied der Vereinigung OÖ Hochlandrinderzüchter in Absprache mit weiteren Vereinsmitgliedern und dem Vorstand des „landwirtschaftlichen Schutzvereins Windhaag“.

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